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Der Aufguss

Saunaeimer
Bild von Anna-Karin Pantzar auf Pixabay

Das Thema, auf das Saunagänger gewartet haben?!

Der Aufguss gilt nach wie vor als das „Aushängeschild“ des Saunameisters. Bedauerlicherweise wird der Saunameister vielfach nur als Aufgießer wahrgenommen. Das in diesem Blog/in meinen Büchern vermittelte Fachwissen hilft Ihnen, diesen Ersteindruck zu korrigieren.

Der Aufguss – Definition

In einem Eimer mitgebrachtes Aufgusswasser (nur kaltes Wasser, voraussichtlich mit einem Aufgussmittel gemischt) wird mittels einer Kelle auf die bis zu 200 °C heißen Ofensteine gegossen. Alternativ verzichten Sie auf das Aufgussmittel im Eimer und träufeln es jeweils in die gefüllte Wasserkelle. Diese eher seltene Vorgehensweise wird ausschließlich bei der Verwendung reiner ätherischer Öle angewendet. Der sich bildende Dampfstoß wird „Gluthauch“ oder original finnisch „Löyly“ genannt. Der Dampfstoß steigt an die Decke und wird vom Saunameister mittels eines Handtuches oder anderer Hilfsmittel gleichmäßig verteilt. Obwohl die Saunakabine als heißer empfunden wird, ändert sich die Raumtemperatur nicht wesentlich; sie wird circa um 0,5 bis maximal 1 °C sinken. Die relative Luftfeuchtigkeit steigt jedoch stark an.

Voraussetzungen und Aufgussvorbereitung 

Eine geeignete Aufgusskabine liegt möglichst in unmittelbarer Nähe des Frischluftbereiches und wird mit einer Mindesttemperatur von 80 °C betrieben. Die maximale Temperatur sollte 95 °C nicht übersteigen. Eine Raumhöhe von 3 bis 3,50 Meter ist ideal. Eventkabinen sind teilweise höher ausgeführt – das schadet zwar dem Aufgusseffekt und erfordert eine sehr hohe Heizleistung, dafür bietet eine hohe Kabine Platz für die Ausführung von besonderen Techniken beim Aufguss. In einer zu niedrigen Saunakabine bringt es nun einmal wenig Spaß, mit einer großen Fahne zu arbeiten. 

Selbstverständlich ist der Gast durch einen zentral aufgestellten Aufgussplan informiert, wann und in welcher Kabine der jeweilige Aufguss stattfindet. Ebenso sollte auf den verwendeten Duft und besondere Techniken (Fahnenaufguss) hingewiesen werden. Da ein guter Aufguss grundsätzlich eine Dauer zwischen sechs bis acht Minuten hat, erübrigt es sich, im Aufgussplan explizit darauf hinzuweisen. Eventaufgüsse dauern länger und das sollte auch im Vorwege bekannt sein. Wenn in Ihrer Saunaanlage zwischen Soft-, Standard- und heißen Aufgüssen unterschieden werden sollte, ist auch dieses bitte der Aufgusstafel zu entnehmen. Wenn Sie alles richtig machen möchten, sind diese Details auch auf einer Tafel an der betreffenden Kabine bekannt zu geben. Bei starkem Gästeandrang zum Aufguss empfehle ich, die Aufgusskabine mindestens zehn Minuten vor dem Aufgusstermin zu räumen – dieses Prozedere ist entweder in Ihrem Hause den Gästen bekannt oder sollte einem Hinweisschild / Aufsteller vor der Kabine zu entnehmen sein. Auch der Hinweis „Bitte ab xx Uhr nicht mehr eintreten“ hat sich vielfach als Hinweis bewährt. Empfehlen möchte ich Ihnen, dieses vorgeschlagene Verfahren durch einen weiteren Mitarbeiter überwachen zu lassen!

Warum dieser Aufwand? Wenn Sie eine Kabine für achtzig Gäste vorhalten und ein beliebter Aufguss steht an, so werden Sie üblicherweise feststellen müssen, dass vielleicht einhundert Gäste teilnehmen möchten. Als Konsequenz und weil niemand den Aufguss versäumen mag, füllt sich die Kabine bereits zehn Minuten vor Beginn und fünf Minuten vorher ist kein Platz mehr zu bekommen. Gesundheitsbedingte Vorfälle sind dementsprechend zu befürchten und …, dass viele Gäste die Kabine vor dem Aufgussende verlassen, ist auch nicht unbedingt erstrebenswert. Daher mein Vorschlag zur Diskussion in Ihre Saunaanlage. 

In sehr guten Anlagen in Österreich zum Beispiel, werden die zehn Minuten Zeit ohne Gäste für eine gründliche Lüftung und eine Reinigung des Bodens genutzt. Vereinzelt werden auf die Bänke auch Baumwollhussen zum Schutz aufgezogen (nach Maß gearbeitet). Wenn in der Sauna ein klassischer Honigaufguss angeboten wird, wäre diese Maßnahme sehr empfehlenswert! Die Reinigung kann auch nach dem Aufguss, wenn alle Gäste die Kabine verlassen haben, vorgenommen werden …

Dem Saunameister stehen die verschiedensten Utensilien für den durchzuführenden Aufguss zur Verfügung; Handtücher in verschiedenen Größen und Gewichtsklassen sowie Aufgussfächer ebenso in den verschiedenen Größen. Beim Kauf eines Fächers achten Sie bitte auf das Material; für die Verstrebungen eignet sich Bambus am besten. Ziehen Sie Fächer mit einer möglichst starken Verstrebung vor! Sie wären nicht der Erste, dem die Streben beim Aufguss brechen … Wenn Sie planen, mit einem Fächer in der Kabine zu arbeiten, ist das Tragen von Handschuhen unumgänglich. Die Bambus-Verstrebungen erreichen recht schnell fast die Raumtemperatur! Ohne Handschuhe werden Sie sich die Finger verbrennen … Ich empfehle Ihnen Baumwollhandschuhe mit Kevlar-Noppen, sogenannte Hitzeschutz-Handschuhe. Derartige Handschuhe eignen sich auch, wenn Sie einmal kurzzeitig einen heißen Saunastein aufheben müssen. Dem einen oder anderen Saunameister gelingt es in der Anfangszeit seines Schaffens schon einmal, mit dem Handtuch einen Stein während des Aufgusses vom Ofen abzuräumen – nobody is perfect!

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Wenn Sie mit Aufgussdüften arbeiten möchten, was in 99 % der mir bekannten Saunaanlagen Saunaanlagen der Fall ist, dann empfehle ich Ihnen die Verwendung eines Metalleimers – möglichst einen mit seitlichem Griff. Holzeimer haben die Eigenschaft, dass Sie den Geruch des Aufgusswassers annehmen und speichern. Die PET-Einsätze in einem Holzeimer können sowohl Schadstoffe abgeben als auch den Geruch der Aufgussmischung verändern; dieses allerdings nur minimal und „normalerweise“ nicht zu riechen …

Als sehr gutes Handwerkszeug für den Saunameister hat sich die REGENKELLE® erwiesen. Durch das Brausemundstück der Kelle kann das Wasser gleichmäßig auf die Steine verteilt werden und bei sorgfältiger Handhabung erreicht kein Wasser die unterste Steinschicht – es verdampft vorher! Die Kelle wird in verschiedenen Ausführungen angeboten.

Kleidung beim Aufguss

Sie werden Ihre Kleidung beim Aufguss nass schwitzen, aus diesem Grunde gibt es die Aufgusskleidung und die normale Dienstkleidung, welche aus Shorts, Shirt und Badeschuhen besteht. Die Kleidung zum Aufguss kann durchaus identisch sein, muss sie aber nicht zwangsläufig. Den Damen empfehle ich das Tragen eines Sport-BHs unter dem Shirt. Auf jeden Fall ist einheitliche Kleidung für den Aufguss zu empfehlen und sollte auch verpflichtend getragen werden, schon aus Gründen der „Corporate Identity“, sprich der Selbstdarstellung des Arbeitgebers. Weder ist ein nackter Oberkörper, auch wenn er aufwendig geformt wurde, noch Badekleidung empfehlenswert. 

Mittlerweile trägt der eine oder andere Saunameister feste Sportschuhe zum Aufguss. Wer sich jedoch sicher in Badeschuhen bewegen kann, ist damit ausreichend ausgestattet. Warum sollte das so sein? Zum einen darf während des Aufgusses der eigene tropfende Schweiß keineswegs einen Gast treffen, ein nackter Oberkörper wirkt keineswegs professionell und zum anderen ist auch nicht jeder Oberkörper unbedingt sehenswert? Für wichtiger erachte ich jedoch die Vorsorge für einen eventuellen Notfall während des Aufgusses in der Kabine. Haben Sie schon einmal versucht, einen bewusstlosen Gast von der obersten Bank aus der Kabine zu bringen? Platz werden Sie schon haben, die nicht betroffenen Gäste zeigen sich da erfahrungsgemäß kooperativ. Möchten Sie jedoch den Gast halb nackt hilfreich zur Seite stehen und sind Sie in der Lage, einen festen Stand auch mit Badeschuhen sicherzustellen? Haben Sie bitte auch immer im Gedächtnis, dass eine Dienstkleidung Ihnen automatisch zumindest eine gewisse Autorität verschafft – den Anweisungen eines Halbnackten dürfte weniger Gehör geschenkt werden! Das Vorgenannte gilt grundsätzlich für den normalen Tagesablauf und nicht für Eventaufgüsse. Eine geschminkte und zurechtgemachte Geisha mit zwei Fächern arbeitend, sollte eben in einen Kimono gewandet sein und nicht in der sonst üblichen Dienstkleidung auftreten.  

Die erforderliche und angeordnete Dienstkleidung wird in ausreichender Stückzahl vom Arbeitgeber gestellt, welcher sich auch um die Reinigung kümmert. Gegen Zahlung einer angemessenen Entschädigung kann die Reinigung dem Arbeitnehmer übertragen werden. Ebenso wird die „persönliche Schutzausrüstung“ für jeden mit dem Aufguss befassten Mitarbeiter gestellt. Darunter versteht man einen Augenschutz/Gesichtsschutz, Chemikalienschutzhandschuhe mit CE-Kennzeichen inklusive vierstelliger Prüfnummer sowie einen Flammenschutzkittel. Diese Utensilien sind verpflichtend im Umgang mit Aufgussmitteln zu tragen. 

Obwohl nur ein paar Saunaanlagen in Deutschland diese Vorgehensweise so handhaben, bleibt es trotzdem eine Verpflichtung! Warum und wieso das so ist, erfahren Sie wie immer in meinem Buch “Ausbildung zum Saunameister“. Wenn Sie der Überzeugung sind, dass die Gewerbeaufsicht im Saunabereich im Gegensatz zum Schwimmbadbereich ein stumpfes Schwert ist – täuschen Sie sich nicht! Möglicherweise war es in der Vergangenheit so; aber auch hier finden fortlaufend Schulungen statt und die Kenntnisse der Prüfer sollten auch generell nicht unterschätzt werden …

Das Aufgusswasser

Zurück zum eigentlichen Thema, der Saunameister zieht seine persönliche Schutzausrüstung über und mischt das kalte Aufgusswasser an. Die Dosierung des verwendeten Aufgussmittels ist seitens der Betriebs-/ oder Saunaleitung vorgegeben (Kapitel Aufgussmittel) und das Mischungsverhältnis sollte tunlichst genau eingehalten werden. Die Dosierung können Sie mit einer Pipette, Spritze oder einem passenden Messbecher vornehmen. Die Mischung wird kräftig umgerührt und fertig ist der Aufgusseimer.

Nun haben Sie vielleicht schon einmal gehört, dass der „Profi“ das Aufgussmittel nur mit heißem Wasser vermengt, weil sich das Duftmittel so besser mit dem Wasser mischt? Von der Sache und der physikalischen Betrachtung her, ist dem nicht zu widersprechen! Die Bildung einer Mischung (Emulsion) ist abhängig von der zur Verfügung stehenden Energie, sprich der Geschwindigkeit der beteiligten Moleküle. Bei hohen Temperaturen bewegen sich die Moleküle schneller – umso schneller sie sich bewegen, desto schneller vermischen sie sich auch. Als einfache Faustregel für den Hausgebrauch gilt, dass wenn die Temperatur um 10 °C steigt, der physikalische Prozess sich mindestens verdoppelt. Warum spreche ich beim Aufgusswasser dann immer von möglichst kaltem Wasser? Wie immer ist es einfach und nachvollziehbar, wenn man es weiß. Wenn Sie kaltes Wasser auf die heißen Ofensteine gießen, ist der Temperaturunterschied größer und so entwickelt sich ein starker Löyly – deutlich stärker, als wenn Sie mit heißem Wasser aufgießen. Und, was wird beim Aufguss am meisten geschätzt? Der starke und heiße Löyly! Die Blasen auf der Wasseroberfläche einer übersättigten Lösung rühren Sie einfach vor dem Gießen noch einmal unter …

Aufguss Saunaeimer
Bild von Anna-Karin Pantzar auf Pixabay

Der Ablauf des Aufgusses

Eine einheitliche „Aufgusszeremonie“ gibt es nicht; in jedem Land haben sich Rituale und verschiedene Techniken entwickelt. Beschrieben und kommentiert wird hier der durch den Saunameister vorgetragene Aufguss in Deutschland. Gastaufgüsse sind nicht üblich, bilden aber einen unterhaltsamen Kontrast für die Gäste.

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Aufguss Saunaeimer
Bild von Anna-Karin Pantzar auf Pixabay

Wieviel Wasser auf die Steine

DAS ist die Frage aller Fragen und führt zu teilweise erbitterten Diskussionen unter deutschen Saunafreunden. Der Finne würde 
die Frage mit einem „so viel wie muss“ beantworten; in deutschen Landen wird das schon aus Haftungsgründen
etwas anders gesehen. 

Lange Rede – kurzer Sinn; ich empfehle Ihnen eine Aufgussmenge von maximal 30 ml Wasser (Richtwert 20 – 30 ml) pro m³ umbauten Raum der Aufgusskabine. Beispiel: Ihre Aufgusskabine misst 11 x 6 Meter und ist 2,55 Meter hoch. Das sind 168,3 m³ umbauter Raum und würde einer Wassermenge von fünf Litern im Eimer entsprechen. Die richtige Eimergröße hätte also ein Fassungsvolumen von 6 Litern. Es ist durchaus sinnvoll, die errechnete Wasserfüllstandhöhe mit einem wasserfesten Marker an der Innenseite des Eimers zu kennzeichnen. Der eine oder andere Vorgesetzte bohrt drei Löcher oberhalb der Markierung in den Eimer, so wird zielführend verhindert, dass Aufgüsse mit zu viel Wasser durchgeführt werden. Vielleicht möchte es sich der Saunameister ja mitunter nicht nehmen lassen, den Gästen „anständig einzuheizen“, halt so wie in der „guten alten Zeit?“

ACHTUNG – zu viel Wasser führt zu Verbrühungen!

Diesen Merksatz sollten Sie nie aus den Augen verlieren. Verbrühungen sind äußerst schmerzhaft und Sie, beziehungsweise Ihre Gäste haben lange etwas davon. Sie werden feststellen, dass nicht jeder Gast die verwendete Wassermenge für ausreichend hält. Wenn Sie etwas mehr Wasser verwenden möchten, tasten Sie sich langsam an größere Wassermengen heran und seien Sie vorsichtig. Probleme werden Sie definitiv bekommen, wenn Sie die komplette Wassermenge mit einem Guss auf den Ofen werfen. Den betrieblichen Anweisungen ist unbedingt Folge zu leisten. Haftungsrechtlich kann der Saunameister persönlich zur Verantwortung gezogen werden! Einen Gast zu verbrühen, ist nicht nur unangenehm für den Saunameister, sondern verpflichtet ihn zivilrechtlich zu Schadenersatz und Schmerzensgeld. Denken Sie daran – Nichtwissen schützt vor Strafe nicht!

DGfdB R 26.30.04 

Es stellt sich die Frage, wie kommt man nun auf die definierte Wassermenge und wer hat das festgelegt? Bereits im Mai 2011 hat die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen e. V. die Richtlinie mit der Bezeichnung 26.30.04 veröffentlicht. Sie wurde erstellt vom Ausschuss Saunabetrieb Deutscher Sauna-Bund e. V. Die Richtlinien wurden im Januar 2017 überarbeitet und ergänzt.

Die Richtlinien zur Durchführung von Saunaaufgüssen in öffentlichen Saunaanlagen stellen Standards für eine qualifizierte Durchführung von Saunaaufgüssen auf. Diese sollen eine gesundheitsfördernde, betriebssichere und hygienisch einwandfreie Durchführung für Saunagäste und Personal gewährleisten.“ (Zitat: Sauna-Matti GmbH)

Im Hinblick auf die Rechtssicherheit sowie der Haftungsfragen beim Betrieb einer öffentlichen Saunaanlage empfehle ich Ihnen den Erwerb dieser Richtlinien zum Preis von EUR 40, — zuzüglich Versandkosten (April 2020) bei der Firma Sauna-Matti GmbH, Meisenstraße 83 – 33607 Bielefeld. Aufgrund des Copyrights kann ich Ihnen die Unterlagen leider nicht in diesem Blog/Buch zur Verfügung stellen. Sie fragen sich natürlich mit Recht, was haben die Richtlinien eines eingetragenen Vereines auf mich und/oder meine Saunaanlage für eine bindende Wirkung? Richtlinien dieser Art haben selbstverständlich keine verpflichtende Wirkung auf den jeweiligen Betrieb oder die Einzelperson – nur …, im Schadensfalle werden sie üblicherweise von den Gerichten zur Beurteilung des Sachverhaltes herangezogen. Die Rechtsprechung verlässt sich auf das Urteil, sprich die Fachkompetenz des Richtlinienerstellers. Letztendlich stellt es ein unkalkulierbares Risiko dar, bestehende Richtlinien nicht zu berücksichtigen!

Entscheidungen betreffs der Menge des verwendeten Aufgusswassers trifft ausnahmslos der vorgesetzte Mitarbeiter oder die Betriebsleitung.

Die Risiken bei der Verwendung von zu viel Wasser liegen 
1. in der Gefahr der Verbrühung von Gästen, 
2. der stärkeren Belastung des Saunameisters, 
3. der gesundheitlichen Gefährdung von Gästen und Saunameistern durch eine möglicherweise höhere Schadstoffbelastung in der Kabine.

Wenn zu wenig Wasser verwendet wird besteht die Gefahr, dass Gäste sich anderweitig orientieren. Eventuelle Beschwerden sind dementsprechend sorgfältig im Auge zu behalten und wie vorgenannt zu beantworten. Von entscheidender Bedeutung dürfte das gesundheitliche Argument der vermutlich höheren Schadstoffbelastung bei Verwendung von deutlich mehr Wasser sein. 

Ein guter Saunameister kann auch bei der vorgeschlagenen Verwendung von 30 ml Wasser pro m³ umbauten Raum der Saunakabine einen tollen Aufguss anbieten – Technik ist alles!

Aufguss Saunaeimer
Bild von Anna-Karin Pantzar auf Pixabay

Die Wirkung eines Aufgusses

Bitte merken Sie sich den physikalischen Grundsatz, dass Verdunstung kühlt und Niederschlag wärmt! Ein Aufguss sorgt für einen zusätzlichen Hitzereiz, nicht mehr und nicht weniger. Der Wasserdampf legt sich auf die kühle Haut und dabei wird die Wärmeenergie wieder freigesetzt, die bei der Verdunstung des Wassers auf den Ofensteinen verbraucht wurde.

In einer trockenen Saunakabine bei einer Luftfeuchtigkeit von vielleicht 5 % auf Kopfhöhe auf der obersten Bank, funktioniert die Schweißverdunstung als Thermoregulation recht gut. Bei einem Aufguss jedoch steigt die Luftfeuchte auf bis zu 25 % an. Bei dieser relativen Feuchte in dem Temperaturbereich ist eine Schweißverdunstung physikalisch nicht mehr möglich. 

Der Wasserdampf schlägt sich auf die Haut der Badenden nieder und beendet den Verdunstungsvorgang. Der Wasserdampfdruck in der Kabine liegt deutlich über dem Wasserdampfdruck der feuchten Haut mit rund 6,3 kPa (Kilopascal) und macht eine Verdunstungskühlung unmöglich. Die Badenden haben das Gefühl von stärkerer Hitzeeinwirkung auf den Körper. Bei der Feuchtigkeit auf der Haut dürfte es sich mehrheitlich um Kondenswasser und nicht um Schweiß handeln. Hierüber gibt es eine sehr umfängliche Facharbeit, welche bei wissenschaftlichem Interesse käuflich in englischer Sprache erworben werden kann … Mittlerweile wissen Sie, WO Sie den Link hierfür finden? 

Durch das Abschlagen mit dem Saunatuch beim Aufguss, wird die Haftschicht (auch gerne Temperaturausgleichsschicht oder Isolierschicht genannt) auf der Haut punktuell weggerissen. Als Konsequenz bekommt der Gast für einen kurzen Moment eine Vorstellung von der tatsächlichen Raumtemperatur Auf ein gesundes Saunabad sowie die physiologischen Vorgänge und Abläufe wie im Blog/Handbuch beschrieben, hat ein Aufguss weder eine positive noch eine negative Wirkung. Ein zu heißer Aufguss sollte jedoch vermieden werden. Ebenso finden Sie in meinem Buch “Ausbildung zum Saunameister” eine ausführliche Betrachtung der Frage, ob es sich bei dem Arbeitsplatz eines Saunameisters um einen Hitzearbeitsplatz handelt … Schmunzeln Sie nur, auch was offensichtlich erscheint, muss es im rechtlichen Sinne nicht unbedingt sein.

Schadstoffbelastung beim Aufguss
Bild von Nika Akin auf Pixabay

Schadstoffbelastung während des Aufgusses

Die Grundschadstoffbelastung in der Kabine habe ich bereits näher skizziert. Wie entwickelt sich jedoch die Schadstoffbelastung bei einem Aufguss?

Grundsätzlich kann man zusammenfassend sagen, dass die folgenden Aussagen zutreffend sind:

Alle Aufgussprodukte, egal welcher Hersteller oder welche Duftvariante, emittieren durch Pyrolyse und Oxidation Aldehyde und Aceton. Hierüber gibt es eine sehr gute und ausführliche Facharbeit, welche ich Ihnen in meinem Buch “Ausbildung zum Saunameister” ausführlicher vorstelle …

Das „Aufschmeißen“ des Aufgusswassers auf die Ofensteine ist vermutlich negativ zu beurteilen, konnte letztendlich aber wissenschaftlich nicht zweifelsfrei belegt werden. Die Menge des Aufgusswassers hat definitiv Auswirkungen auf die Schadstoffbelastung und ich empfehle dahingehend, die Menge von 30 ml pro m³ umbauten Raum nicht zu überschreiten.

Der jeweiligen Betriebsleitung und dem Beauftragten für die Gefährdungsbeurteilung rate ich dringend an, derartige Detailuntersuchungen zu lesen, zu interpretieren und umzusetzen! Für den Saunameister ist das Thema letztendlich nur von Interesse, wenn er die Filzkappe durch den Doktorhut ersetzen möchte … Wenn Sie mit einem Gast über dieses heikle Thema sprechen müssen, seien Sie bitte gut vorbereitet! Aller Voraussicht nach sind Vorkenntnisse vorhanden oder es könnte sich um einen Test-Gast handeln. 

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Ausbildung zum Saunameister
Inhouse-Schulung